Missa solemnis (Eterna) CD

CD 7.3.91
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Of the choral works composed by the Sorb – Bjarnat Krawc (1861-1948) the most outstanding, is the Missa solemnis op. 79 work of great significance, marking the zenith of Krawc’s creativity. The Missa solemnis draws attention to a little appreciated side of Krawc’s ability, that of sacred music.
Krawc studied in the Dresden Conservatory under Felix Draeseke (1835-1913). The oratorio ‘Christ’ composed by Draeseke in 1912 inspired Krawc to write a Christmas choral hymn - ‘Praise to the Christchild’ (1913). Thereafter Krawc continued to compose a variety of important musical pieces culminating in the Missa solemnis of 1932.
Krawc was stimulated to create this work by his great friend Michal Nawka (1885-1968). Nawka  was a respected Sorb patriot, specializing in Slavonic philology, and also conductor of the famous Radibor Choir  ‘Meja’. Nawka suggested that, with the rising power of the Nazis and the ensuing persecution of the Sorb people, the only way to resist this threat was through a strong belief in Christianity. With this in mind he proposed that Krawc should compose a missa solemnis for the Radibor Choir to sing during the evening mass.
The Missa solemnis opus 79 is a choral Work accompanied by the organ and forms the basis of the latin sung mass in 6 parts – the Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus and Agnus Dei. Krawc directed all his energy towards creating a work which would act as a musical statement for the Sorb people, reflecting both their spiritual and folk music, intending to help them through this difficult period in history. The world premiere took place in Radibor (Radwor) on the 31st July 1932. The work received wide a’cclaim outside the Lusatea and by 1937 had been performed in Dresden, throughout Czechoslovakia, Poland an Jugoslavia. In 1937 the University of Bratislava presented Krawc with the Komensky´ Medal for artistic achicvement.
The Missa solemnis was performed in more recent times, under the baton of Jan Bulank – conductor of the united choirs Meja, Lipa and Budissin – in the St. Petri Cathedral in Budissin. The Missa solemnis has remained in the hearts and voices of the sorb people as a permanent confirmation and reminder of those distressing times. (engl: Sue Peter)

Audio CD: Feierliche Messe für Chor und Orgel - Bjarnat Krawc-Schneider Missa solemnis op. 79
Jan Bulank dirigiert die Chöre "Meja", "Lipa", "Budyšin" und den Chor des Sorbischen National-Ensembles; an der Orgel spielt Lothar Graap

Sachgruppe: klassische Musik
CD-Gesamtspielzeit: 46:10 Min.; insgesamt 6 Musiktitel
20 Seiten Booklet (Text und historische Fotos), farbige Inlaycard
Begleittexte in Sorb., Dtsch., Engl.
® aufgenommen 1967 Berlin, Nalepastraße, Großer Sendesaal
erschienen 1968 Eterna-Schallplatten (DDR), 1992 (Neuausgabe)

AUDIO examples underlined - click to play:

1.  Kyrie                  7:07
2.  Gloria               10:05
3.  Credo               12:48
4.   Sanctus            5:05
5.  Benedictus       3:25
6.  Agnus Dei        7:15

Unter den Vokalwerken des sorbischen Komponisten Bjarnat Krawc (1861-1948) steht die Missa solemnis op. 79 an hervorragender Stelle. Dieses Werk mit übereuropäischer Bedeutung kommt nicht nur einem künstlerischen Credo gleich. Es basiert vielmehr auf einer kompositorischen Meisterschaft, die als Gipfel des Krawc’schen Schaffens zu betrachten ist.
Die Missa solemnis lenkt den Blick auf einen Wirkungsbereich des Komponisten, der bisher weniger im Vordergrund der Wertschätzung stand: auf die musica sacra. Kirchenmusikwerke als Leitbilder späteren eigenen Schaffens lernte Bjarnat Krawc bereits als Schüler Felix Draeseckes (1835-1913) kennen, der ihn  am Dresdener Konservatorium im Tonsatz unterwies. Seines Lehrmeisters Oratorienzyklus “Christus” (1912) studierte Bjarnat Krawc besonders gründlich und ehrerbietig. Deutlich offenbart sich dies in den eigenen weihnachtlichen Chorwerken “... zum Lobe des Christkindes” (1913, 1919).
Wenngleich Bjarnat Krawc in der Folgezeit nicht weniger bedeutsame weltliche Kompositionen schuf, so erreichte sein musikalisches Lebenswerk dennoch in einem kirchenmusikalischen Opus seinen Höhepunkt, in einer Missa solemnis, die 1932 entstand.
Die Anregung zu diesem Werk erhielt Krawc durch seinen engen persönlichen Freund Michal Nawka (1885-1968), einem anerkannten sorbischen Philologen und  Patrioten. Über 20 Jahre hatte dieser den Radiborer Volkschor “Meja” geleitet, der unter seinem Taktstock zu einer repräsentativen Sängergemeinschaft gedieh.
Angesicht der übermächtigen Bedrohung der Sorben durch den deutschen Nationalsozialismus im Dritten Reich galt es ein Zeichen des Daseins und der Standhaftigkeit zu setzen. Für viele vermochte nur die Kraft des Glaubens dem Unheil dieser Welt zu widerstehen, und so schlug Michal Nawka dem Freunde vor, eine Missa (solemnis) zu komponieren, die der Radiborer Chor vortragen sollte. Und in gedanklichem Gleichklang mit Michal Nawka vollbrachte Bjarnat Krawc sein Meisterwerk, welches  die katholische Abendmahlsfeier mit einer tiefen Selbstbesinnung der Interpreten und Zuhörer zu verbinden hatte.
Dieser Missa solemnis, einem Chorwerk mit Orgelbegleitung, liegt der lateinische Messetext in den Sätzen Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei zugrunde. Es war nicht das klassische Vorbild der Missa solemnis Ludwig van Beethovens, welches Bjarnat Krawc all seine schöpferische Energie aufbieten ließ. Es ging dem Komponisten vielmehr um den Eigenton einer wesentlich sorbischen musikalischen Aussage. Als profunder Kenner des geistlichen und weltlichen sorbischen Volksgesanges ließ Bjarnat Krawc in unkonventioneller Weise auch Themen in seine Messe einfließen, die eigenständige Gedanken stützten.
Die Uraufführung der Missa solemnis, die am 31.7.1932 in Radibor erfolgte, war ein bedeutsames musikalisches Ereignis. Das Werk ließ auch außerhalb der Lausitz weithin aufhorchen und am Schicksal der Sorben teilhaben. Bis zum Jahre 1937 erklang die Missa in Dresden, in der CSR (Prag, Brno, Hradec Kralové, Bratislava), in Polen (Poznan) sowie in Jugoslawien (Zagreb). Und es bedeutete für Bjarnat Krawc die wohl größte künstlerische Anerkennung, als ihm 1937 die Universität Bratislava für seine Missa solemnis die Komensky´-Medaille verlieh.
Als teures Vermächtnis blieb die Missa solemnis im Geiste und in den Stimmen sorbischer Sänger über bedrückende Zeiten bewahrt. Unter MD Jan Bulank, der die Chöre Meja, Lipa und Budyšin dirigierte, erfuhr jene stets trostvoll aufrichtende Kirchenmusik im Bautzener St. Petri-Dom ihre glänzende Wiederaufführung. Und indem die Missa solemnis 1968 auf einer Langspielplatte erschien, glich sie einer unvergänglichen Bestätigung und Mahnung.
Dr. Jan Rawp-Raupp