Orgelmusik - Thomas Sauer - LP

LP 3.2.91
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Audio LP: Der Organist der St.-Hedwigs-Kathedrale zu Berlin, Thomas Sauer, spielt auf den Eule-Orgeln
im Französischen Dom zu Berlin und in der Pfarrkirche Crostwitz (Lausitz).

Sachgruppe: klassische Musik
Werke von J.S.Bach, J.Fr.Dandrieu, W.A.Mozart, F.M.Bartholdy, Fr.Liszt
Gesamtspielzeit: 52 Minuten
6-seitige LP-Tasche mit Text und farbigen Fotos
® aufgenommen am 25.03.1991 in der kath. Kirche zu Crostwitz (Sachsen)
und am 26.03.1991 im Französischen Dom zu Berlin
LP-Einführungstext von Dr. Dietmar Hiller

AUDIO examples underlined - click to play:

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sonate d-moll op. 65 Nr. 6   12:20
1  Choral
2   Andante sostenuto
3   Allegro molto
4   Fuga
5   Sostenuto e legato
6   Finale
7   Andante

Franz Liszt:
8/9  Präludium und Fuge über B-A-C-H   9:28

Jean Francois Dandrieu: Magnificat A-Dur
10  Plein jeu   1:01
11  Duo         1:00
12  Trio         1:20
13  Basse et Dessus de Trompette  1:34
14  Flûtes      1:46
15  Dialogue  1:50

Johann Sebastian Bach: Choralbearbeitung
16  "O Mensch, bewein dein Sünde groß" BWV 622   5:22

Wolfgang Amadeus Mozart:
17  Fantasie f-moll KV 608  10:25

Die katholische Pfarrkirche zu Crostwitz konnte am 23.12. 1990 die Einweihung ihrer neuen Eule-Orgel feiern. Crostwitz, in der sorbischen Lausitz unweit von Bautzen gelegen, besitzt mit diesem Instrument von 31 Registern eine interessante Synthese. Aus der alten Orgel (op. 143 der Firma Eule, erbaut 1914) wurden klanglich wertvolle Register in den Neubau einbezogen. Ein Verfahren, das auch Orgelbauer früherer Zeiten häufig anwendeten, damit eine gewisse Ehrfurcht vor den Leistungen der Altvorderen bezeugend. Die neue Orgel besitzt eine mechanische Tontraktur, Schleifwindladen und eine Doppelregistrieranlage (mechanisch - elektrisch). Eine 32-fache Setzerkombination ermšglicht die umfassende Ausnutzung des Registrierbestandes. Das neue Gehäuse, aus Kiefer gefertigt, ist 9m hoch und 7,50m breit. Die Gehäuseform ist sichtbarer Ausdruck der klanglichen und technischen Ordnung im Inneren der Orgel. Die großen Zinnpfeifen des Prinzipalbasses 16' in den Pedaltürmen verdeutlichen die Stellung der Pedalregister. Dazwischen liegen übereinander Schwellwerk und Hauptwerk mit dem Prospektregister Prinzipal 8'. Mit der Einbeziehung von Registern aus der alten Orgel sind vor allem die Darstellungen von Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts, welche zur Zeit mehr und mehr wiederentdeckt wird, aber auch ausdrucksvolle Soloregistrierungen, wie die vorliegende Aufnahme zeigt.
Die "Französische Kirche auf der Friedrichstadt", bekannt als Französischer Dom, ist eine Heimstätte der um 1685 aus Frankreich nach dem Kurfürstentum Brandenburg emigrierten Hugenotten. 1705 wurde die Kirche, um 1755 die erste Orgel eingeweiht. Ihr Erbauer, Leopold Christian Schmaltz, stattete sie mit einem schwungvollen Gehäuse und bewegtem Rokokoschnitzwerk aus. Bei einer Erweiterung und Umgestaltung der Orgel behielten die Berliner Orgelbauer Brüder Dinse glücklicherweise Gehäuse und Schnitzwerk der ersten Orgel bei. Dieses Schnitzwerk überlebte durch Auslagerung den Weltkrieg. Kirche und Orgel wurden 1944 zerstört. Anknüpfend an die bewegende Geschichte dieser Orgel entstand die Idee, in die 1982 wiedererrichtete Kirche eine Nachbildung des Prospektes der ersten Orgel zu setzen, zumal das originale Schnitzwerk erhalten war. Aus vielen Bruchstücken sorgfältig zusammengesetzt und vergoldet nahm es wieder seinen alten Platz ein. Zwei Fotos der alten Orgel ermöglichten die Rekonstruktion des Gehäuses. Die Orgel selbst wurde, da keine Quellen ausreichend Auskunft über die ursprüngliche Beschaffenheit gaben, neu konzipiert. Der Disposition lag die Idee zugrunde, im Französischen Dom über eine Orgel zu verfügen, auf der vor allem französische Orgelmusik des 18. Jahrhunderts darstellbar ist. Der Registeraufbau entspricht also dem einer französischen Orgel dieser Zeit mit einigen deutschen Anklängen. Auch die Maße der Pfeifen Metalllegierungen, der Reichtum an Zungen und die Intonation sind an französichen Vorbildern orientiert. Dem historischen Gewand der Orgel entpricht auch ihr innerer Aufbau. Hier wie da wurden historische Techniken der Orgelbaukunst angewandt. So ist das Gehäuse in Rahmen - Füllung - Bauweise gebaut. Das tragende Gerüst der  Windladen, die Windladen selbst, die Wellenbretter der Mechanik und viele andere Teile sind aus Eichenholz gefertigt. Die Lagerstellen der Tonmechanik haben keine Filztuchungen, die gedeckten Metallpfeifen und Rohrflöten sind zugelötet. Mit diesem Eule - Orgelwerk, eingeweiht am 15. September 1985, ist das Spektrum der Berliner Orgellandschaft um eine außergewöhnliche Farbe reicher geworden.