Lilija und Meja - die sorbischen Chöre - CD

LND 3.94-2 CD
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Die sorbischen Chöre MEJA und LILIJA singen Lieder ihres Volkes.

Audio CD: cantus choralis jubilatio
Aus Anlass des jeweils 100-jährigen Gründungsjubiläums der beiden ältesten sorbischen Chöre MEJA und LILIJA erschien dieser Tonträger mit Neuproduktionen der schönsten sorbischen Liedern.

Gesamtspielzeit: 61:22 Min.; insg. 27 Titel
Sprache der Liedtexte: Obersorbisch
20 Seiten Booklet (Texte und Fotos); farbige Inlaycard
Begleittexte / Accompanying texts  in sorb and german language
® recorded 1994 by LND Domowina Verlag, Jan Bělk, Jürgen Crasser
© 1994 Domowina-Verlag, Bautzen

AUDIO examples underlined - click to play:

1.   Tucel boza  2:08
2.   Dobre ranje, spodobanje  2:49
3.   Tule statok zboza stajic  2:06
4.   Luba duša, pokoj z tobu  1:48
5.   Hale nehdze, haj nehdze  1:12
6.   Mi nihdze tak so njelubi  2:06
7.   Hanka, ty brune, brune wócko  1:14
8.   Wo nico so ja njestaram  1:47
9.   Swoju chcu Hanku tym Zidowcam dac  1:30
10.  Ha wyše mi Hornjeho Wujezda  1:46
11.  Róza sluša do wenca  1:52
12.   Kak mócny, wulki, slawny  3:31
13.   Strowa sy Marija  2:45
14.   Znowa je zeschadzal lecny cas  1:25
15.   Jónu, jónu!  2:09
16.   Pod krizom drjewjanym  3:36
17.   Holbik dwe belej nózce ma  1:48
18.   Ow zernicka  4:10
19.   Bóh zohnuj tebje, Luzica  1:33
20.   Hoj horje, serbski Sokole!  3:37
21.   A pólske woly du  2:02
22.   Sydom króc, jako sym w Kulowje byl  1:01
23.   Coply dzen a tuzny jara  2:20
24.   Domck mój luby  2:54
25.   Macernu rec lubuju  2:03
26.   Swjata Marija  2:27
27.   Zwony  2:37

Der sorbische Volkschor "MEJA" (übersetzt "Mai") in Radibor unweit von Bautzen feierte im Januar 1995 sein 100jähriges Bestehen. In ununterbrochener Folge und unter Beibehaltung seines traditionsreichen Namens hat dieser Chor gleich mehrere Gesellschaftsordnungen überdauert.
Ein Jahrhundert lang hat MEJA wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Lebens in Radibor und darüberhinaus beigetragen. Unzählige Konzerte zu verschiedensten Anlässen hat der Chor mit eigenen Programmen aufgeführt. In den vergangenen Jahrzehnten sind Sommer- und Weihnachtskonzerte in Radibor zur festen Tradition geworden. Der Chor hat Gottesdienste zu großen kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder auch zur Firmung in der Pfarrkirche gestaltet. Gemeinsam mit anderen sorbischen Chören hat MEJA auch an der Aufführung umfangreicher und anspruchsvoller Oratorien sorbischer Komponisten sowie der "Missa solemnis" von Bjarnat Krawc mitgewirkt.
Seit 1992 hat sich der Verein sehr für die Restaurierung des Grabmals des bedeutenden sorbischen Priesters Michal Walda engagiert. Dieser hat sich als Dichter und Musikschaffender bleibende Verdienste bei der Erhaltung der sorbischen Sprache erworben.
Während seines Bestehens hatte der Chor aber auch politische Schwierigkeiten zu überstehen. Dem größten Druck waren die Sänger in der Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt. Nur unter dem Schutz der Kirche konnte MEJA weiter existieren. Nach dem Krieg ist der Chor wieder in die Öffentlichkeit getreten.
Entscheidenden Anteil an der Qualität des Chores MEJA hatten zweifelsohne seine Dirigenten: Jurij Slodenk als Begründer, dann Jan Andricki, Michal Nawka und Jurij Winar. Achim Brankack leitet den Chor seit 1951.
Jahrelang schon pflegt MEJA partnerschaftliche Beziehungen zu einem Chor im nordböhmischen Baška.
Die Mitglieder der MEJA singen nicht nur sorbische Lieder, sondern pflegen auch in ihren Familien die sorbische Muttersprache. Zu den meisten Konzerten tragen die Frauen die Tracht der katholischen Sorben.

Der sorbische Gesangsverein "LILIJA" 
Volkslieder waren und sind eine Quelle für das nationale Sein des sorbischen Volkes. Vor allem bei uns im Niederland - sorb.: Delany, unweit der Kreisstadt Kamenz, wo das Klosterwasser im ruhigen Lauf die katholischen sorbischen, vorwiegend bäuerlichen und häuslichen Dörfer durchquert, brachte das frei gesungene Lied den Menschen willkommene Erleichterung. Vereinstraditionen reichen bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. Der 1876 in Šunow - Schönau gegründete Verein "Róza" (dtsch.: "Die Rose") begann mit 20 Sängern sorbische Lieder im Gebiet "Delany" vorzustellen. Er war Anstoß zum Entstehen eines neuen Vereins, der am 24. Januar 1895 mit dem Namen "Spewarske towarstwo za Ralbicansku wosadu" (Gesangsverein für die Ralbitzer Pfarrgemeinde) gegründet wurde. Beitreten konnten anfangs nur Männer guten und ehrenwerten Rufes, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten. Erster musikalischer Leiter war Jurij Wjaclawk.
Bereits im Mai 1896 anläßlich des 25. Bestehens des Ralbitzer Vereins "Bjesada" gestaltete der Männerverein sein erstes Konzert. Im Herbst des gleichen Jahres folgte mit einem gemischten Chor und einer komischen Szene "Fajfy" ein Gesangskonzert in Konjecy - Cunnewitz. Seit dem waren auch Singspiele und Humoresken Bestandteil der Programme.
Anläßlich der Festlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der "Macica Serbska", der sorbischen wissenschaftlichen Gesellschaft in Bautzen, trat der Verein erstmals mit Chören aus Pancicy - Panschwitz, Bacon - Storcha und Radwor - Radibor auf, seinem Wunsch folgend, alle sorbischen Gesangsvereine zu verbünden. Seine damaligen durch den Kauf eines Klaviers entstandenen ziemlich hohen Schulden konnte der Verein bald mit Einnahmen aus Konzerten begleichen. Seit 1898 hatte der Verein sein Domizil in der Gaststätte Brezan in Ralbicy - Ralbitz.
Der Gesangsverein widmete sich mehr und mehr sorbischen Volksliedern. Im Jahre 1901 übernahm der junge Lehrer Miklawš Hajna aus Konjecy - Cunnewitz die künstlerische Leitung. Bedeutende sorbische Komponisten der damaligen Zeit wie Jurij Pilk und Bjarnat Krawc erarbeiteten das Liedgut. Im jungen Ralbitzer Kaplan Miklawš Andricki hatte der Gesangsverein einen treuen und geschickten Dichter. Erste Früchte solchen gemeinsamen Mühens wurden zum "Krawcowy wjecork" am 28. September 1902 auf dem Saal in Sernjany - Zerna, an dem der Komponist Bjarnat Krawc persönlich anwesend war, deutlich. Die Programmideen stammten von Miklawš Andricki. Dieser Konzertabend wurde für die Sänger im Gebiet "Delany" zum Meilenstein des bisherigen Vereinswirkens.
Der Gesangsverein war bald auch außerhalb der Lausitz bekannt. Als Miklawš Hajna nach Ostern 1905 von Arnošt Muka, Jan Arnošt Smoler und dem polnischen Freund der Sorben, Alfons Parczewski, besucht wurde, zeigte ihnen der Dirigent eine Reihe von Bildern seines Chores. Nach längerem Nachdenken über einen geeigneten Namen schlug Parczewski vor, den Gesangsverein "LILIJA"zu nennen. Und unter diesem Namen, den er seither nicht mehr abgelegt hat, wirkte der Chor fortan. Auch Miklawš Hajna fügte den gesungenen Darbietungen kleinere Theaterinszenierungen hinzu.
Unter seinem Dirigat wagte sich LILIJA als erster Chor in der Lausitz an Werke von Bedrich Smetana. Bis in die 30er Jahre bildeten vorrangig Werke von Kocor, Pilk, Slodenk und Krawc das Repertoire des Chores. In zehn verschiedenen Programmen wurden neben Solostücken und Werken für kleinere Gruppen sogar 53 verschiedene Chorsätze gezählt.
Der erste Weltkrieg schlug nahezu unheilbare Wunden in die Reihen des Chores. Übrigblieb ein Frauenchor. Aber schon bald schöpfte LILIJA neue Kraft. Die Sängerinnen und Sänger setzten sich begeistert für ihre LILIJA ein. Sie gestalteten jährlich in den Monaten Juni bis September, in einer Zeit umfangreicher Feld- und Erntearbeiten, ein Hauptkonzert. Im Jahr 1933 waren sie sogar in Krkonoše (Riesengebirge), wo sie ein sorbisch-deutsches Programm darboten. Nach 32jähriger Leitung war dies das letzte große Konzert unter Miklawš Hajna. Im selben Jahr übergab er den Dirigentenstab dem jungen Lehrer Maks Rjecka aus Rózant - Rosenthal.
Das Wirken des Chores zog bald die Aufmerksamkeit der Nationalsozialisten auf sich. Obwohl beobachtet und bespitzelt, gestaltete LILIJA furchtlos noch 1936 Auftritte und gemeinsame Konzertabende. Im Frühjahr 1937 verboten aber die Nazis den Verein LILIJA wie fast alles Sorbische und beschlagnahmten das Material des Vereins. Die Sängerinnen und Sänger behielten ihre Begeisterung. Unter dem Schutz der Pfarrgemeinde wirkten sie im Kirchenchor weiter, wobei sie sich vorwiegend religiösen Liedern widmeten.
Auch der zweite Weltkrieg konnte nicht alles Sorbische vernichten. Kaum war der Kriegsdonner verstummt, sammelten sich die Sänger schon wieder - anfangs vor allem Frauen - zum Kirchenchor. Zu besonderen religiösen Festen oder anderen Gelegenheiten wurden Gottesdienste umrahmt. Auf die Bitte des damaligen Kaplans Jurij Šolta übernahm die Lehrerin Cecilija Hajnec, Tochter des damaligen Dirigenten Miklawš Hajna, die Leitung des Chores. Geschickt führte sie fast vier Jahrzehnte den Chor, bis sie den Dirigentenstab an die heutige Organistin Hanza Bjenšowa übergab. Der Kirchenchor hegte und pflegte das Erbe des ehemaligen Chores LILIJA. Mit der Neugründung des Vereins >Serbske spewarske towarstwo katolskeje wosady Ralbicy< "LILIJA" im Januar 1993 bekräftigte der Chor, das Erbe des 1937 von den Nazis verbotenen Vereins dem Inhalt und dem Namen nach fortzuführen.